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EPPO Verfahren Deutschland — Containerhafen Nacht Forensik — Europäisches Strafrecht (Symbolbild, KI-generiert)

EPPO-Verfahren in Deutschland: Umsatzsteuerbetrug, Vermögenssicherung und was Unternehmen daraus lernen müssen

4 Min.

Symbolbild, KI-generiert

AUF EINEN BLICK

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) ermittelt seit 2021 selbst bei Straftaten zum Nachteil des EU-Haushalts, darunter grenzüberschreitender Umsatzsteuerbetrug ab einem Gesamtschaden von 10 Mio. Euro, Subventionsbetrug mit EU-Mitteln und Korruption. Ihre Delegierten Europäischen Staatsanwälte ordnen Durchsuchungen, Kontenauskünfte und Vermögensarreste nach nationalem Prozessrecht an. Unternehmen mit EU-Fördermitteln oder grenzüberschreitenden Umsatzsteuerketten stehen damit unmittelbar im Zugriff einer europäischen Ermittlungsbehörde.

Die Europäische Staatsanwaltschaft agiert zunehmend operativ und aggressiv. Die jüngsten Anklagen in Berlin und Vermögenssicherungen im zweistelligen Millionenbereich zeigen eine klare Richtung – und stellen Unternehmen vor neue Anforderungen. Das Thema EPPO Verfahren Deutschland ist dabei von zentraler Bedeutung. Zur systematischen Einordnung siehe den Grundlagenbeitrag Steuerhinterziehung nach § 370 AO.

Neue Anklagen im Fall „Water into Wine“: EPPO Verfahren Deutschland

Am 27. März 2026 hat die EPPO mitgeteilt, dass ihre Berliner Dienststelle im laufenden Ermittlungsverfahren „Water into Wine“ Anklage gegen sechs Beschuldigte vor dem Landgericht Berlin erhoben hat. Im Zentrum steht ein groß angelegtes Umsatzsteuerbetrugssystem im Dieselhandel, das die EPPO ausdrücklich als large-scale VAT fraud scheme einordnet.

Der Fall ist kein Einzelereignis. Er reiht sich ein in eine Serie von EPPO-Verfahren, die eines gemeinsam haben: international koordiniert, operativ schnell und vermögenssicherungsintensiv.

Asset Freeze über 80 Millionen Euro und EPPO Verfahren Deutschland

Wie eine Analyse von Baker McKenzie vom 12. März 2026 zeigt, führte ein grenzüberschreitender VAT-Evasion-Vorwurf gegen ein nicht-europäisches Unternehmen zu Dawn Raids in mehreren EU-Mitgliedstaaten und einem deutschen Asset Freeze über 80 Millionen Euro. Die EPPO nutzt Vermögenssicherung früh, konsequent und als Verhandlungshebel.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit:

Die EPPO ist keine Behörde in der Anlaufphase mehr. In grenzüberschreitenden VAT-Fraud-Konstellationen agiert sie heute mit einer Geschwindigkeit und Reichweite, die nationale Staatsanwaltschaften häufig nicht erreichen. Zum Schutz vor Doppelverfolgung in mehreren Staaten siehe den Beitrag zu ne bis in idem.

Vermögenssicherung wird zum Standardinstrument. Ein Asset Freeze im zweistelligen Millionenbereich ist für betroffene Unternehmen keine abstrakte Gefahr, sondern eine Existenzfrage – insbesondere, wenn er ohne Vorwarnung kommt. Wer bei einer internen Untersuchung entsprechende Risiken identifiziert, sollte EPPO-Szenarien explizit einplanen.

Branchen mit strukturellen Umsatzsteuerrisiken sind besonders exponiert. Dazu gehören der Energie- und Rohstoffhandel, Automotive-/Fuel-Lieferketten, Plattformmodelle mit Cross-Border-Sales und strukturierte Handelsgeschäfte mit mehrstufigen Transaktionsketten.

Was sollten Unternehmen tun?

  • EPPO-Readiness als Compliance-Ziel definieren: Schnelle Fact-Finding-Fähigkeit, einheitliche Legal-Hold-Prozesse und abgestimmte EPPO bei Umsatzsteuerkarussellen und Auslandsbezug über mehrere Mitgliedstaaten sind keine Kür, sondern Pflicht.
  • Asset-Preservation-Szenarien durchspielen: Welche Vermögenswerte könnten betroffen sein? Wie schnell kann das Unternehmen auf eine Sicherungsmaßnahme reagieren?
  • Tax-Criminal Interface stärken: Die Schnittstelle zwischen Steuerabteilung, Compliance und Strafverteidigung muss als eingespielter Prozess funktionieren – nicht erst im Ernstfall.
  • Cross-Border-Privilege-Strategie entwickeln: In EPPO-Verfahren mit mehreren Jurisdiktionen kollidieren unterschiedliche Privilege-Regime. Eine einheitliche Strategie von Anfang an schützt vertrauliche Kommunikation.

Fazit

Die EPPO ist in der operativen Realität angekommen – schärfer, als viele Unternehmen erwartet haben. Empfehlenswert ist: Wer grenzüberschreitende Umsatzsteuerrisiken hat, sollte nicht auf den eigenen Fall warten. Die Kombination aus Dawn Raids, Asset Freezes und koordinierter Mehrstaat-Verfolgung lässt wenig Spielraum für Improvisation.

Was ist die EPPO und wann ist sie zuständig?

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) ist seit 2021 operativ tätig und zuständig für Straftaten zum Nachteil des EU-Haushalts – insbesondere Mehrwertsteuerbetrug ab 10 Millionen Euro Schaden sowie Subventionsbetrug und Korruption mit EU-Bezug. Sie kann in allen teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten gleichzeitig ermitteln und ist damit national agierenden Staatsanwaltschaften in grenzüberschreitenden Fällen strukturell überlegen.

Welche Branchen sind besonders durch EPPO-Verfahren gefährdet?

Besonders exponiert sind Unternehmen im Energie- und Rohstoffhandel, in Automotive-/Fuel-Lieferketten, Plattformmodelle mit Cross-Border-Sales sowie strukturierte Handelsgeschäfte mit mehrstufigen Transaktionsketten. Hier bestehen strukturelle Umsatzsteuerrisiken, die EPPO-Ermittlungen auslösen können.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.


Grundlage: Rechtlicher Überblick


Einordnung: Dieser Beitrag ist dem Grundlagenbeitrag zur Steuerhinterziehung nach § 370 AO zuzuordnen.

Das Fundament

GrundlageUnternehmensstrafrecht DeutschlandGrundlageCompliance Officer — HaftungGrundlageBeschuldigtenrechte im StrafverfahrenGrundlageUntreue nach § 266 StGBGrundlageBetrug im WirtschaftsstrafrechtGrundlageSteuerhinterziehung § 370 AO

Criminal Compliance Briefing

Einmal im Quartal: ausgewählte Entwicklungen im Wirtschaftsstrafrecht, in der Criminal Compliance und bei internen Untersuchungen — eingeordnet aus Verteidigerperspektive.