Das Fundament — 24 Säulen des Wirtschaftsstrafrechts
Vierundzwanzig Grundlagenbeiträge zu den Normen, die im Wirtschaftsstrafrecht am häufigsten den Ausgang bestimmen. Jede Säule führt mit einem Leitbeitrag in ihr Rechtsgebiet ein und verweist auf die Beiträge, die einzelne Aspekte vertiefen.
Außenwirtschaftsstrafrecht
Verstöße gegen AWG, KWKG und EU-Sanktionsregeln können Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren (§ 17 AWG) sowie Unternehmensgeldbußen auslösen. Verteidigung bei Exportkontrolle, Embargos und BAFA-Verfahren.
Arbeitsstrafrecht
§ 266a StGB, Schwarzarbeit und Mindestlohnverstöße sind Kernrisiken. FKS-Durchsuchungen erfolgen koordiniert mit Zoll; Beweissicherung und Beschuldigtenstatus sind ab Behördenkontakt zentral.
Betrugsstrafrecht
§ 263 StGB bis zu spezifischen Wirtschaftsbetrugsformen: Subventionsbetrug, Kreditbetrug, Kapitalanlagebetrug. Verteidigung erfordert präzise Kenntnis der Vorsatz- und Schadensanforderungen.
Berufsrechtliche Verfahren
Parteiverrat, Geheimnisverrat und anwaltsgerichtliche Maßnahmen: Wenn ein Strafverfahren den Berufsstatus des Anwalts bedroht, braucht die Verteidigung beide Verfahren im Blick.
Bilanzstrafrecht
§§ 331, 332 HGB schützen Kapitalmarktintegrität und Gläubiger. Vorstände, Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer tragen erhebliche Haftungsrisiken bei Jahresabschluss-Manipulationen.
Compliance Management
Ein funktionierendes CMS reduziert Bußgelder und Haftungsrisiken. Hinweisgebersysteme nach HinSchG, NIS-2 und LkSG-Sorgfaltspflichten sind zentrale Bausteine.
Geldwäsche und AML
§ 261 StGB und GwG verpflichten zur Prävention. Verdachtsmeldungen an FIU und BaFin sind fristgebunden und rechtlich komplex. Vermögensabschöpfung nach §§ 73 ff. StGB droht bei Verurteilung.
Glücksspielstrafrecht
§§ 284 ff. StGB und GlüStV 2021 regulieren Online- und stationäres Glücksspiel. Aktuelle EuGH-Rechtsprechung schafft erhebliche Rechtsunsicherheit für Anbieter und Dienstleister.
Insolvenzstrafrecht
Insolvenzverschleppung (§ 15a InsO) und Bankrott (§§ 283 ff. StGB) bedrohen Geschäftsführer persönlich: Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung einer GmbH muss die Geschäftsführung den Insolvenzantrag ohne schuldhaftes Zögern stellen – spätestens drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit bzw. sechs Wochen nach Eintritt der Überschuldung (§ 15a Abs. 1 InsO). Eine verspätete Antragstellung kann strafbar sein; daneben können Bankrottdelikte (§§ 283 ff. StGB) relevant werden.
Was Geschäftsführer von der drohenden Zahlungsunfähigkeit bis zum Ermittlungsverfahren zu tun haben, ordnet der Beitrag Insolvenzstrafrecht für Geschäftsführer.
Interne Untersuchungen
Internal Investigations ermöglichen Sachverhaltsaufklärung unter Wahrung anwaltlicher Vertraulichkeit. Ein pauschaler Beschlagnahmeschutz für dabei entstandene Unterlagen besteht jedoch nicht. Seine Reichweite hängt insbesondere vom Mandats- und Verfahrensverhältnis sowie von den gesetzlichen Voraussetzungen ab (vgl. §§ 97, 160a StPO; BVerfG, Beschl. v. 27.06.2018 – 2 BvR 1405/17).
IT-Strafrecht
Cybercrime, Datenschutzstrafrecht und NIS2-Haftung der Geschäftsleitung — aus Unternehmenssicht.
Kapitalmarktstrafrecht
Insiderhandel (Art. 14 MAR) und Marktmanipulation (Art. 15 MAR) stehen im Fokus von BaFin und Staatsanwaltschaft Frankfurt. Spoofing und Layering sind Schwerpunkte aktueller Ermittlungen.
Kartellstrafrecht
§ 298 StGB (Submissionsbetrug) und GWB-Bußgeldverfahren erfordern spezialisierte Verteidigung. Kronzeugenregelungen bieten strategische Optionen in laufenden Verfahren.
Korruptionsstrafrecht und Antikorruption
§§ 299 ff. StGB, FCPA und UK Bribery Act stellen Unternehmen vor internationale Compliance-Anforderungen. Ermittlungsverfahren machen Kooperations- und Verteidigungsentscheidungen zu zentralen Verfahrensweichen.
Produktstrafrecht
Vom Lebensmittel über Medizinprodukte bis zur Maschine: Wer Produkte in Verkehr bringt, trägt strafrechtliche Verantwortung für deren Sicherheit. LFGB, MedCanG, MaschinenVO und ProdSG bilden ein Geflecht aus Melde-, Rückruf- und Sorgfaltspflichten, deren Verletzung schnell den Straftatbestand erreicht.
Medizinstrafrecht
Abrechnungsbetrug, § 299a/b StGB und IVDR-Verstöße betreffen Ärzte, Krankenhäuser und Pharmaunternehmen. Spezialisierte Ermittlungsbehörden agieren zunehmend koordiniert.
Organhaftung
Vorstände und Geschäftsführer haften persönlich für Compliance-Verstöße und Aufsichtspflichtverletzungen (§ 130 OWiG). D&O-Haftung und Bußgeldregress sind praxisrelevante Folgen.
Steuerstrafrecht
§ 370 AO ist einer der häufigsten Vorwürfe in Wirtschaftsstrafverfahren. Selbstanzeigen nach § 371 AO setzen vollständige Berichtigung voraus; der Wechsel ins Strafverfahren kann bei jeder Betriebsprüfung erfolgen.
Strafverfahren
Durchsuchungen, Beschlagnahmen und Vermögensarreste kommen ohne Vorwarnung. Behördliche Maßnahmen wirken ab dem ersten Kontakt rechtlich präjudiziell.
- Beschuldigtenrechte im Strafverfahren
- Rechte des Unternehmens im Strafverfahren
- Unternehmen als Geschädigte im Strafverfahren: Rechte, Hebel und Risiken
- Durchsuchung im Unternehmen
- Vorladung als Beschuldigter im Wirtschaftsstrafverfahren
- Haftbefehl und Untersuchungshaft
- Einziehung im Strafverfahren
- Parlamentarischer Untersuchungsausschuss
- Revision im Strafverfahren
Tierschutzstrafrecht
§§ 17 ff. TierSchG und Videoüberwachungspflichten in Schlachthöfen gewinnen durch behördliche Kontrollen und NGO-Aktivismus an Bedeutung. Nutztierhaltung im regulatorischen Fokus.
Umweltstrafrecht
§§ 324–330d StGB schützen Gewässer, Boden und Luft. Betriebsbeauftragte und Geschäftsführer haften persönlich für illegale Entsorgung und Emissionsdelikte.
Unternehmensstrafrecht
§ 30 OWiG und § 130 OWiG ermöglichen Unternehmensgeldbußen bis 10 Mio. Euro — in Kartellsachen bis 10 % des Konzernumsatzes; hinzu tritt die Abschöpfung des wirtschaftlichen Vorteils.
Untreue
§ 266 StGB ist der zentrale Straftatbestand der Unternehmensführung. Abgrenzung zur erlaubten unternehmerischen Risikoentscheidung nach der Business Judgment Rule ist der Maßstab (BGHSt 47, 187).
Wirtschaftsschutz und Geheimnisschutz
§§ 99 ff. StGB und das Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGehG) schützen Unternehmenswissen vor staatlich gelenkter Spionage und Insider-Abfluss. Geschäftsleitung und Compliance tragen Pflichten zur Klassifizierung, zum Sabotageschutz und zur strategischen Strafanzeige.























