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FKS-Durchsuchung: Die ersten 48 Stunden im Unternehmen

11 Min.

Symbolbild, KI-generiert

Rechtsstand: Oktober 2026

FKS-Durchsuchung durch den Zoll: Was Geschäftsführer in den ersten 48 Stunden tun müssen

AUF EINEN BLICK

Bei einer FKS-Durchsuchung durch den Zoll zählt jede Stunde. Geschäftsführer müssen zunächst den Durchsuchungsbeschluss prüfen, sofort einen Strafverteidiger verständigen und jede Spontanerklärung vermeiden. Die ersten 48 Stunden entscheiden über Akteneinsicht, Abwehr eines Vermögensarrests und die weitere Verteidigungsstrategie. Falsche Einlassungen gefährden die Verteidigung dauerhaft.

1. FKS oder Polizei? Warum die Unterscheidung entscheidend ist

Wer frühmorgens mehrere Zollbeamte in der Firma begrüßt, denkt an eine Hausdurchsuchung — tatsächlich kann es zwei rechtlich völlig unterschiedliche Situationen geben. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) kann entweder eine verdachtsunabhängige Prüfung nach §§ 2 ff. SchwarzArbG durchführen oder als Ermittlungsperson der Staatsanwaltschaft eine strafprozessuale Durchsuchung nach § 102 StPO vollziehen. Die Befugnisse unterscheiden sich erheblich.

Neben FKS-Einsätzen kennt das Gastgewerbe eine dritte Prüfungslage: die steuerrechtliche Kassennachschau nach § 146b AO. Sie folgt einem eigenen Regelungsregime; der Beitrag Kassennachschau in der Gastronomie grenzt sie von der FKS-Prüfung ab.

Die Prüfung nach SchwarzArbG erlaubt das Betreten von Geschäftsräumen, Einsicht in Unterlagen und Personenfeststellungen. Sie bedarf keines richterlichen Beschlusses und keiner Ankündigung. Arbeitgeber und angetroffene Beschäftigte sind zur Duldung und Mitwirkung verpflichtet, §§ 3–5 SchwarzArbG. Den rechtlichen Rahmen im Überblick bietet der Grundlagenbeitrag Arbeitsstrafrecht.

Die strafprozessuale Durchsuchung dagegen setzt nach § 105 StPO einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss voraus; nur bei Gefahr im Verzug dürfen die Ermittlungsbehörden ausnahmsweise selbst anordnen. Das Bundesverfassungsgericht hat dabei mit BVerfGE 103, 142 (Urteil vom 20.02.2001 – 2 BvR 1444/00) die hohen Anforderungen an die Annahme von Gefahr im Verzug verbindlich herausgearbeitet: Die Ermittlungsbehörden müssen versucht haben, einen Richter zu erreichen.

Warum das entscheidend ist: Bei einer bloßen Prüfung bestehen Duldungs- und Mitwirkungspflichten. Bei einer strafprozessualen Durchsuchung gilt für den Beschuldigten umgekehrt das Schweigerecht (§ 136 Abs. 1 StPO), und jede Aussage kann im späteren Verfahren verwertet werden. Wer beides verwechselt, schädigt seine Position bereits in der ersten Stunde.

2. Die ersten Minuten: Was bei der Ankunft des Zolls zu tun ist

Durchsuchungsbeschluss sofort vorlegen lassen. Der Beschluss muss schriftlich sein (bei strafprozessualer Durchsuchung), den Tatvorwurf, die zu suchenden Gegenstände und die zu durchsuchenden Räume benennen. Fehlende Bestimmtheit ist ein Ansatzpunkt für spätere Verwertungsverbote. Eine Kopie ist zu verlangen.

Anwalt anrufen. Sofort. Jede Kanzlei mit wirtschaftsstrafrechtlicher Ausrichtung unterhält eine Rufbereitschaft. Die Ermittlungsbeamten sind aufzufordern, mit substantiellen Maßnahmen bis zum Eintreffen des Verteidigers zu warten. Sie müssen dem Anliegen nicht nachkommen, werden das aber häufig tun, soweit keine Gefährdung des Beweiszwecks droht.

Keine Spontanerklärungen. Der Impuls, die Situation „zu erklären“ oder Missverständnisse auszuräumen, ist der häufigste und folgenschwerste Fehler. Jeder Satz, der zur Sache gemacht wird — auch eine scheinbar beiläufige Bemerkung über Subunternehmer oder Arbeitszeiten — kann später als Indiz für Vorsatz verwertet werden. Das gilt auch für den Geschäftsführer, der als Beschuldigter vernommen wird, und für Mitarbeiter, deren Angaben einer späteren Zurechnung dienen können.

Zeugen hinzuziehen. Wenn kein Anwalt unmittelbar erreichbar ist, sollte mindestens eine vertrauenswürdige Person (Prokurist, leitender Mitarbeiter) als Zeuge die Durchsuchung begleiten und den Ablauf dokumentieren. Insbesondere ist zu notieren, ob die Beamten Gegenstände suchen, die vom Beschluss nicht erfasst sind.

3. Rechte und Pflichten während der Durchsuchung

Situation Pflicht / Befugnis Rechte des Unternehmens
FKS-Prüfung nach §§ 2 ff. SchwarzArbG Duldung, Mitwirkung, Unterlagen-Vorlage Kein Aussagezwang zur Sache bei Beschuldigtenstatus
Strafprozessuale Durchsuchung nach § 102 StPO Duldung, Beschlagnahmedulden Anwaltsbeiziehung, Schweigerecht, Widerspruch gegen Sicherstellung
Vernehmung als Beschuldigter Pflicht zur Identitätsangabe Schweigerecht nach § 136 Abs. 1 StPO, Keine Erscheinenspflicht bei Polizeiladung
Vernehmung als Zeuge (Mitarbeiter) Pflicht zur Aussage bei richterlicher/staatsanwaltlicher Ladung Auskunftsverweigerungsrecht nach § 55 StPO bei Selbstbelastungsgefahr
Sicherstellung von Unterlagen Pflicht zur Duldung Antrag auf Versiegelung, Widerspruch gegen Beschlagnahme
IT- und Cloud-Zugriff (seit SchwarzArbMoDiG, BGBl. 2025 I Nr. 369) Zugangspflicht bei Prüfung, kostenlos (§ 5a Abs. 1 SchwarzArbG) Beschränkung auf prüfungsrelevante Daten, Rückgabe oder Löschung nicht benötigter Daten (§ 5 Abs. 5 SchwarzArbG)
Personenfeststellung Pflicht zur Angabe von Name, Anschrift Keine Pflicht zur inhaltlichen Aussage

Merksatz: Die Mitwirkungspflicht bei der Prüfung umfasst auch prüfungserhebliche Auskünfte (§ 5 Abs. 1 SchwarzArbG) — sie dürfen aber verweigert werden, soweit sie den Auskunftspflichtigen oder einen Angehörigen der Gefahr straf- oder bußgeldrechtlicher Verfolgung aussetzen. Wer als Beschuldigter vernommen wird, darf jederzeit schweigen, ohne dass daraus nachteilige Schlüsse gezogen werden dürfen.

4. Die nächsten Stunden: Mitarbeiter-Befragungen, IT-Zugriff und Sicherstellung

Mitarbeiter werden regelmäßig als Zeugen befragt. Verpflichtend ist das bei richterlicher oder staatsanwaltschaftlicher Ladung sowie bei Ladung durch Polizei oder FKS, wenn ihr ein Auftrag der Staatsanwaltschaft zugrunde liegt (§ 163 Abs. 3 StPO); sonst besteht keine Erscheinenspflicht. Sinnvoll ist eine frühe Information der Mitarbeiter durch die eigene Rechtsabteilung oder den beauftragten Strafverteidiger über ihre Rechte und Pflichten als Auskunftspersonen oder Zeugen, insbesondere über § 55 StPO. Spekulationen sollten unterbleiben, und niemand muss dem Druck der Ermittlungsbeamten nachgeben. Das Auskunftsverweigerungsrecht nach § 55 StPO steht jedem Mitarbeiter zu, dessen Aussagen ihn selbst belasten könnten — typischerweise Lohnbuchhaltern, HR-Verantwortlichen und Mitgliedern der Geschäftsführung.

Seit Inkrafttreten des SchwarzArbMoDiG zum 30.12.2025 kann die FKS auch auf IT-Systeme und Cloud-Daten zugreifen und Datenbestände unmittelbar auswerten. Unternehmen sind verpflichtet, den Zugriff zu ermöglichen. Die Verteidigung muss daher früh prüfen, welche Datenbestände vom Beschluss erfasst sind und welche nicht; eine unbeschränkte Datenauslieferung ist rechtlich nicht geschuldet. Parallele Verpflichtungen aus Datenschutzrecht (DS-GVO, BDSG) und Geschäftsgeheimnisschutz (GeschGehG) sind gegenüber der FKS aktiv geltend zu machen.

Bei Sicherstellungen ist unbedingt auf eine präzise Protokollierung zu achten. Jeder beschlagnahmte Gegenstand muss im Durchsuchungsprotokoll exakt bezeichnet sein. Gegen die Sicherstellung ist Widerspruch zu erheben — das ist keine Obstruktion, sondern führt dazu, dass die Beamten binnen drei Tagen die gerichtliche Bestätigung beantragen sollen (§ 98 Abs. 2 S. 1 StPO). Unabhängig davon kann der Betroffene jederzeit die gerichtliche Entscheidung beantragen (§ 98 Abs. 2 S. 2 StPO).

5. Die ersten 48 Stunden: Akteneinsicht, Vermögensarrest, Kommunikation

Akteneinsicht beantragen. Der Verteidiger stellt umgehend Antrag auf Akteneinsicht nach § 147 StPO. In Scheinselbstständigkeits- und Schwarzarbeitsverfahren ist die Ermittlungsakte oft bereits umfangreich — typisch sind monatelang vorbereitete Strukturermittlungen durch die FKS, bevor die Durchsuchung erfolgt. Die Akteneinsicht steuert die weitere Strategie.

Vermögensarrest abwehren. Parallel zur Durchsuchung beantragen Staatsanwaltschaft oder FKS häufig einen Vermögensarrest nach § 111e StPO, um die spätere Einziehung (§§ 73 ff. StGB) zu sichern. Bei § 266a-Fällen werden regelmäßig die Geschäftskonten eingefroren, manchmal auch Privatvermögen des Geschäftsführers. Ein erfolgreicher Widerspruch binnen Tagen ist möglich, wenn die Tatverdachtsgrundlage schwach ist oder der Arrest unverhältnismäßig ausgestaltet wurde. Ohne rechtzeitigen Antrag bleibt das Vermögen oft monatelang blockiert.

Kommunikation steuern. Mitarbeiter, Kunden, Banken und Lieferanten erfahren schnell von der Durchsuchung. Ohne abgestimmte Kommunikation entstehen dauerhafte Reputationsschäden. Eine kurze, rechtlich abgesicherte Sprachregelung für die Belegschaft und für Geschäftspartner ist binnen 24 Stunden zu erstellen. Pressekontakte sollten ausschließlich über einen Sprecher oder den Verteidiger laufen.

Parallel-Delikte einkalkulieren. § 266a StGB tritt praktisch immer zusammen mit § 370 AO (Lohnsteuerhinterziehung) auf, häufig auch mit § 263 StGB (Sozialleistungsbetrug) oder § 266 StGB bei komplexen Scheinrechnungssystemen. Die FKS ermittelt nach dem SchwarzArbMoDiG eigenständig für § 266a und § 263 StGB; parallel laufen aber oft Verfahren der Steuerfahndung. Eine koordinierte Strategie über beide Akten ist zwingend.

6. Die häufigsten Fehler — und wie sie sich vermeiden lassen

Fehler Typische Folge Richtige Reaktion
Spontanerklärungen zur Sache Einlassung wird als Geständnis oder Vorsatzindiz gewertet Schweigen bis Akteneinsicht vorliegt
Durchsuchungsbeschluss nicht geprüft Verwertungsverbot wegen Bestimmtheitsmangel geht verloren Beschluss sofort kopieren, Bestimmtheit prüfen
Keine Anwaltsbeiziehung angefordert Protokoll unzureichend, Verteidigungsoptionen verschlossen Schon vor Eintreffen Anwalt kontaktieren
Mitarbeiter ohne Belehrung befragen lassen Selbstbelastende Aussagen, die dem Unternehmen zugerechnet werden Interne Belehrung binnen 1 Stunde
Keinen Widerspruch gegen Sicherstellung Keine richterliche Bestätigung von Amts wegen (§ 98 Abs. 2 S. 1 StPO) Formelhafter Widerspruch zu Protokoll
Kein Antrag auf Versiegelung (Mandatsunterlagen) Verletzung des Anwaltsgeheimnisses, Folgewirkungen unklar Mandatsakten und Korrespondenz mit Verteidigern versiegeln lassen
IT-Freigabe uneingeschränkt erteilen Auswertung weit über Beschlussumfang hinaus Zugriff auf beschlussrelevante Daten beschränken, protokollieren
Kein Antrag auf Akteneinsicht binnen 24 h Vermögensarrest bleibt bestehen, Verteidigung liegt blind Antrag nach § 147 StPO sofort stellen

7. Nach der Durchsuchung: Die ersten Tage und Wochen

In den ersten Tagen nach der Durchsuchung entscheidet sich, ob das Verfahren beherrschbar bleibt. Drei Weichen sind zu stellen: Erstens die Tatsachengrundlage — welche Sachverhalte sind durch sichergestellte Unterlagen belegt, welche durch Zeugenaussagen, welche nur durch Indizien? Zweitens die rechtliche Bewertung — liegt tatsächlich Vorsatz vor, oder sind die Voraussetzungen von BGH 1 StR 346/18 (Tatbestandsirrtum über die Arbeitgeberstellung) anwendbar? Drittens die Verfahrensstrategie — Einstellungsverhandlung nach § 153a StPO, Nachzahlung mit Schadenswiedergutmachung, Selbstanzeige nach § 266a Abs. 6 StGB für noch offene Beitragszeiträume.

Parallel dazu sind Compliance-Anpassungen einzuleiten: Überprüfung aller Freelancer-Verträge, Statusfeststellungsverfahren für kritische Verhältnisse, Dokumentation der Entscheidungsprozesse. Diese Maßnahmen wirken nicht nur präventiv, sondern entlasten auch im laufenden Verfahren.

Was Geschäftsführung oder Lohnbuchhaltung während der Durchsuchung zur Sache sagen, wird protokolliert und bleibt in der Akte, auch wenn es später berichtigt wird. Bis zur Akteneinsicht nach § 147 StPO zu schweigen und jede Erklärung mit einem Verteidiger abzustimmen, ist der übliche Weg.

Häufige Fragen

Die FKS steht morgens vor der Tür — was muss ich jetzt sofort tun?

Durchsuchungsbeschluss oder Prüfverfügung vorlegen lassen, kopieren, prüfen. Sofort einen Strafverteidiger anrufen. Keine inhaltlichen Aussagen. Zeugen hinzuziehen, die den Ablauf dokumentieren. Mitarbeiter kurz über ihre Rechte als Auskunftspersonen und Zeugen informieren, insbesondere § 55 StPO. Während der Durchsuchung ruhig bleiben, begleitend notieren, welche Räume durchsucht und welche Gegenstände mitgenommen werden.

Muss ich die Zollbeamten in alle Räume lassen?

Bei einer verdachtsunabhängigen Prüfung nach § 3 SchwarzArbG besteht eine Duldungspflicht für Geschäftsräume. Bei einer strafprozessualen Durchsuchung ist der Durchsuchungsbeschluss maßgeblich: Er benennt die zu durchsuchenden Räume. Privaträume und Räume Dritter (z. B. Anwaltskanzleien mit Mandatsakten) sind nur bei separater Anordnung erfasst. Die Beschluss-Reichweite ist sofort zu prüfen.

Darf ich Aussagen verweigern, wenn die FKS mich als Beschuldigten oder Zeugen vernimmt?

Als Beschuldigter haben Sie nach § 136 Abs. 1 StPO ein umfassendes Schweigerecht — ohne dass dies negativ gewertet werden darf. Als Zeuge besteht grundsätzlich Aussagepflicht, aber das Auskunftsverweigerungsrecht nach § 55 StPO, wenn die Aussage selbst belastende Folgen hätte. Als Beschuldigter müssen Sie einer polizeilichen oder FKS-Ladung nicht folgen. Als Zeuge müssen Sie ihr folgen, wenn der Ladung ein Auftrag der Staatsanwaltschaft zugrunde liegt (§ 163 Abs. 3 StPO).

Darf die FKS meine IT-Systeme und Cloud-Daten durchsuchen?

Seit Inkrafttreten des SchwarzArbMoDiG am 30.12.2025 kann die FKS auf elektronische Daten und IT-Systeme unmittelbar zugreifen. Unternehmen sind verpflichtet, den Zugang einzurichten. Der Zugriff muss aber prüfungs- oder beschlussrelevant sein. Eine pauschale Freigabe aller Systeme ist rechtlich nicht geschuldet. Begleitung durch IT-Verantwortliche und Verteidiger ist essenziell, um den Zugriff zu protokollieren und auf den zulässigen Umfang zu beschränken.

Was ist ein Vermögensarrest und wann droht er?

Der Vermögensarrest nach § 111e StPO sichert künftige Einziehungsansprüche des Staates. Bei § 266a-Fällen wird er oft zeitgleich mit der Durchsuchung beantragt und umfasst Geschäftskonten, ggf. Privatvermögen des Geschäftsführers. Der Arrest bleibt häufig monatelang bestehen. Eine schnelle Abwehr ist möglich, wenn der Tatverdacht schwach ist oder die Arresthöhe unverhältnismäßig. Eine gesetzliche Frist für den Antrag auf gerichtliche Entscheidung (§ 111j Abs. 2 StPO) besteht nicht, ein früher Antrag verkürzt aber die Blockade.

Was ist ein Statusirrtum und wie entlastet er die Verteidigung?

Seit dem Paradigmenwechsel durch BGH, Beschl. v. 24.09.2019 – 1 StR 346/18 liegt ein vorsatzausschließender Tatbestandsirrtum vor, wenn der Täter seine Arbeitgeberstellung oder die Beitragsabführungspflicht nicht zumindest für möglich gehalten hat. Bloße Erkennbarkeit genügt nicht. Die Verteidigung dokumentiert den Statusirrtum durch Rechtsgutachten, Statusfeststellungsanträge, Beraterprotokolle — vorzugsweise aus der Zeit vor der Tätigkeitsaufnahme.

Wie schnell bekomme ich Akteneinsicht?

Der Antrag nach § 147 StPO wird sofort gestellt. Die tatsächliche Gewährung dauert zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen, je nach Umfang der Akte und Ermittlungsstand. In Eilfällen — insbesondere bei bestehendem Vermögensarrest — kann eine teilweise Akteneinsicht zur Abwehr dringender Folgen erwirkt werden. Bis dahin gilt: keine Einlassung, weder schriftlich noch mündlich.

Sollte ich sofort Selbstanzeige nach § 266a Abs. 6 StGB erstatten?

§ 266a Abs. 6 StGB eröffnet für Abs. 1 und 2 (und entsprechend für Abs. 3) eine Strafbefreiung, allerdings nur bei schriftlicher Information der Einzugsstelle spätestens bei Fälligkeit oder unverzüglich danach. Voraussetzung ist zudem die fristgerechte Nachzahlung. Nach Entdeckung der Tat ist eine vollständige Straffreiheit nicht mehr sicher zu erreichen — die Wirkung kann aber im Rahmen der Strafzumessung und einer Einstellung nach § 153a StPO entscheidend sein. Die Entscheidung erfordert eine strafprozessuale Abwägung, die nur mit Akteneinsicht sauber getroffen werden kann.

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