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US DOJ 2026: Neue Corporate Enforcement Policy erhöht Druck auf Selbstanzeigen, Internal Investigations und Compliance

22. April 2026

Version 1.0 | Stand: 22.04.2026. Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert.

Kurzantwort: Das US Department of Justice hat am 10. März 2026 erstmals eine behördenweite Corporate Enforcement and Voluntary Self-Disclosure Policy für strafrechtliche Unternehmensfälle veröffentlicht. Für deutsche Unternehmen mit US-Bezug steigen damit die Anforderungen an Disclosure Readiness, interne Untersuchungen und Remediation — besonders bei Sanktionen, Exportkontrolle, Fraud und Financial Crime.

US DOJ verschärft den Takt in der Unternehmensverfolgung

Das US Department of Justice hat am 10. März 2026 erstmals eine department-wide Corporate Enforcement and Voluntary Self-Disclosure Policy for all criminal cases veröffentlicht. Nach Darstellung des DOJ soll die neue Policy mehr Einheitlichkeit, Vorhersehbarkeit und Fairness in der Verfolgung von Unternehmenskriminalität schaffen und zugleich klare Anreize für freiwillige Offenlegung, Kooperation und Remediation setzen. Damit wird ein bisher komponentenbezogener Ansatz auf die gesamte strafrechtliche Unternehmensverfolgung des DOJ ausgedehnt.

Für deutsche Unternehmen mit US-Nexus ist das hochrelevant. Die Policy ist nicht auf klassische FCPA-Fälle beschränkt, sondern betrifft strafrechtliche Unternehmenssachverhalte generell. Praktisch bedeutet das: Wer mögliche Verstöße mit US-Bezug entdeckt, muss noch früher entscheiden, ob und wann eine Voluntary Self-Disclosure in Betracht kommt, wie eine interne Untersuchung strukturiert wird und ob die eigene Aufarbeitung den DOJ-Erwartungen an Full Cooperation und Timely and Appropriate Remediation genügt.

Betroffene Themenbereiche

Die neue Policy erfasst alle strafrechtlichen Unternehmenssachverhalte mit US-Nexus. Besonders betroffen sind:

  • Sanktionen und Exportkontrolle — Die National Security Division hat am 30. März 2026 eigens erläutert, wie freiwillige Offenlegungen von Verstößen gegen nationale Sicherheitsgesetze unter die neue DOJ-weite Policy fallen. Das DOJ erwartet hier eine konzernweite, strategisch gesteuerte Disclosure- und Investigations-Entscheidung.
  • Fraud und Financial Crime — Betrugsdelikte mit US-Berührung (etwa über US-Konten, US-Dollar-Clearing oder US-Investoren) fallen unmittelbar in den Anwendungsbereich.
  • AML und grenzüberschreitende Zahlungsflüsse — Geldwäschesachverhalte mit US-Bezug unterliegen den erhöhten Kooperationserwartungen; die Frage nach dem richtigen Offenlegungszeitpunkt wird schärfer.
  • Weitere strafrechtliche Unternehmenssachverhalte — Die Policy ist ausdrücklich nicht sektoral begrenzt; sie gilt für alle criminal cases, in denen das DOJ gegen Unternehmen vorgeht.

Für international aufgestellte deutsche Gruppen steigt damit das Risiko, dass ein zunächst lokal wirkender Sachverhalt sehr schnell zu einer US-strafrechtlichen Governance-Frage wird.

Was die neue Policy für Compliance, Legal und Investigations bedeutet

Für die Praxis folgt daraus ein klarer Handlungsauftrag: Compliance, Legal und Investigations müssen enger verzahnt arbeiten. Entscheidend ist nicht nur, ob ein Unternehmen einen Verstoß erkennt, sondern ob es belastbar dokumentieren kann,

  • wann es ihn erkannt hat,
  • wie intern aufgeklärt wurde,
  • welche Abhilfemaßnahmen ergriffen wurden und
  • ob die Kommunikation gegenüber US-Behörden konsistent und strategisch tragfähig ist.

Dieser Beitrag gibt eine rechtliche Einordnung der neuen DOJ-Policy und der NSD-Mitteilung.

Die neue DOJ-Policy ist kein bloßes US-Detail. Sie erhöht den Druck auf Unternehmen mit internationaler Struktur, Disclosure Readiness und investigations-feste Governance vorzuhalten. Wer erst im Krisenfall beginnt, Entscheidungswege, Datenzugriffe und Remediation-Prozesse zu ordnen, ist aus Sicht der US-Behörden regelmäßig zu spät.

Häufige Fragen

Was hat das US DOJ im März 2026 geändert?

Das DOJ hat am 10. März 2026 erstmals eine behördenweite Corporate Enforcement and Voluntary Self-Disclosure Policy für strafrechtliche Unternehmensfälle veröffentlicht. Bisher existierten nur komponentenbezogene Richtlinien einzelner Divisionen; die neue Policy gilt für alle strafrechtlichen Unternehmensfälle des DOJ.

Warum ist das für deutsche Unternehmen relevant?

Unternehmen mit US-Bezug müssen ihre Strategie zu Selbstanzeige, interner Untersuchung, Kooperation und Remediation stärker an DOJ-Standards ausrichten. Das gilt besonders bei grenzüberschreitenden Sachverhalten in den Bereichen Sanktionen, Exportkontrolle, AML und Fraud.

Welche Themenbereiche sind besonders betroffen?

Vor allem Sanktionen, Exportkontrolle, Fraud, Financial Crime und andere strafrechtliche Unternehmenssachverhalte mit US-Nexus. Die NSD-Mitteilung vom 30. März 2026 hebt Verstöße gegen nationale Sicherheitsgesetze ausdrücklich hervor.

Primärquellen: DOJ Office of Public Affairs, Department of Justice Releases First-Ever Corporate Enforcement Policy for All Criminal Cases, 10.03.2026; DOJ Office of Public Affairs, Reporting Voluntary Self-Disclosures of Violations of National Security Laws Under the Department-wide Corporate Enforcement Policy, 30.03.2026.

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